Stuhlhalteschwäche (Inkontinenz)

Definition

“Die Fähigkeit, Stuhl oder Gase voneinander zu unterscheiden, sie zurückzuhalten und unter Kontrolle willkürlich abzusetzen, wird als Kontinenz bezeichnet.” (Herold) Sie setzt ein koordiniertes Zusammenspiel verschiedener Organsysteme voraus ("Kontinenzorgan"). Sowohl die Entleerung als auch die Stuhlkontrolle sind aktive Vorgänge.

 

Der Verlust dieser Fähigkeit wird als Inkontinenz bezeichnet, betroffen sind bis zu 10 % der erwachsenen Bevölkerung, Frauen achtmal häufiger als Männer. In Pflegeheimen sind bis zu 30 % der Bewohner stuhlinkontinent.

 

Die Inkontinenz ist für die Betroffenen extrem belastend und führt nicht selten zum Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben. Unabhängig davon entstehen allein für Hilfsmittel Kosten in Milliardenhöhe.

Die normale Stuhlentleerung

Von der Füllung des Enddarms (Rektum) bis zur Ausscheidung oder Stuhlkontrolle laufen eine Reihe von Wahrnehmungs- und Regelungsvorgängen ab. Vor weiterführender Diagnostik bei Störungen der Entleerung und Kontrolle ist eine genaue Dokumentation durch ein Stuhltagebuch sinnvoll. Der Schweregrad einer Inkontinenz kann durch Score-Tabellen quantifiziert werden.

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Störungen des Kontinenzorgans

  • Stuhlbeschaffenheit (Konsistenz): Zu weicher oder gar flüssiger Stuhl kann auch mit einem kräftigen Schließmuskel nicht oder schlecht gehalten werden. 
  • Reservoirfunktion des Enddarms: Wurde ein Teil des Enddarms entfernt, wie bei Tumorerkrankungen oder einem Enddarmvorfall, kann weniger Stuhl gespeichert werden, die Entleerung wird früher notwendig. 
  • Sensibilität des Analkanals: Die Haut des Analkanals ist reich mit Nervenendigungen und Fühlern ausgestattet. 
  • Schließmuskelfunktion: Sowohl Verletzungen und Verletzungsfolgen als auch Gewebsschädigungen schränken die muskuläre Kraft ein. 
  • Feinabdichtung durch die hämorrhoidealen Schwellkörper: Die Hämorrhoiden können durch vermehrte Blutfüllung zur effektiven Feinabdichtung beitragen. 
  • Innervation: Die Nerven des Beckenbodens sind ebenfalls ein wichtiger Faktor für eine volle Kontinenzleistung.
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Inkontinenz - Konservative Therapie

  • Ballaststoffe, Absorbentien
  • Opiate, Antidepressiva
  • Prä- und Probiotika
  • Stuhltransplantation
  • Beckenbodengymnastik
  • Biofeedback und Elektrostimulation
  • Hilfsmittel 
  • Anale Irrigation

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Inkontinenz - Operative Therapie

  • Rekonstruktion des Schließmuskels
  • Anheben des Beckenbodens 
  • Beseitigung eines Vorfalls (Prolaps) im anorektalen Kompartiment
  • Elektrische Stimulation der Beckenbodennerven (Sakrale Nervenstimulation)
  • Ersatz des Schließmuskels (Stimulierte Gracilis-Plastik, Artificial Sphincter)
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© 2017 Dr. med. Bernhard Hofer - Proktologische Praxis München
Bitte beachten Sie die Hinweise und Pflichtangaben nach §5 Telemediengesetz im Impressum. Letzte Aktualisierung 10.02.2017