Enddarmvorfall (Rektumprolaps)

Innerer Rektumprolaps (Intussuszeption)

Äußerer Rektumprolaps, Intussuszeption (innerer Rektumprolaps), Rektozele -

Störungen der Stuhlentleerung (“obstructed defecation syndrome” - ODS)

Eine Vielzahl von Begriffen werden für die Beckenbodensenkung (“descending perineum syndrome, DPS”), des Vorfalls von Enddarm sowie der daraus folgenden Stuhlentleerungsstörung verwendet. Das Verständnis für diese Problematik hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erfahren, nicht zuletzt durch die Studien der dynamischen MRT-Defäkographie (Beurteilung der Enddarmentleerung im Kernspintomographen).

post7.1Welche Faktoren beim Menschen, vor allem beim weiblichen Geschlecht, zu diesen Symptomen führen, ist nicht abschließend geklärt. Ursächlich wurden aufrechter Gang, Pressen, eine Bindegewebsschwäche, Überdehnung bei Geburten sowie Störungen der Beckenbodennerven angeschuldigt. Ein Zusammenhang wird auch mit Operationen im Becken, z.B. der Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) vermutet. Allerdings kommt auch bei Männern und auch schon in jüngerem Lebensalter insbesondere der äußere Rektumprolaps vor. Die Studien von Longo und Boller legen nahe, daß der muskulären Überdehnung und Ausdünnung der Muskelschicht des Enddarms die ursächliche Bedeutung zukommt. Dieser Defekt kann eine Zeit lang kompensiert werden: Das Tiefertreten des Beckenbodens streckt das Rektum, das Tiefertreten der Baucheingeweide (Enterocele) überträgt den Druck des Pressens auf den Enddarm. Auch die Rektocele aus Aussackung des Enddarms wäre dann als Folge der Wandschwäche des Darms zu verstehen. Wenn die Kompensationsmechanismen versagen, kommt es zur Entleerungsstörung.

Der äußere Rektumprolaps ist leicht zu diagnostizieren. Bei geringer Ausprägung ist eine spontane Reposition möglich, ein großer Vorfall muß wieder zurückgeschoben werden. Charakteristisch ist die ringförmige (zirkuläre) Fältelung des Darms. Folgen eines äußeren Rektumprolaps sind Nässen, Blutungen, Schleimhautveränderungen und nicht zuletzt Stuhlhalteschwäche (Inkontinenz). Auch die Pflege älterer Menschen wird durch einen Rektumprolaps erschwert, nachdem die Ausbildung eines feuchten Milieus die Haut erheblich schädigt bis hin zum Wundliegen (“Dekubitus”). Eine Therapie ist nur operativ möglich. Häufig durchgeführte Verfahren sind die laparoskopische Rektopexie (Befestigung des Enddarms am Kreuzbein über eine Bauchspiegelung), ggf. mit Entfernung überschüssigen Dickdarms (“Resektions-Rektopexie”), oder die Raffung (Operation nach Delorme) bzw. Entfernung des Vorfalls (Operation nach Altemeier) über den After. Neue Entwicklungen im Bereich der Klammernahtgeräte (Contour-Transtar®) erlauben auch die Entfernung kleinerer Rektumprolapse durch ein spezielles Proktoskop.

32_Illustration_10MRT-Schneidt-31-mit-Text-webDer innere Rektumprolaps wird auch als Intussuszeption bezeichnet. Hier stülpt sich ein Teil des Enddarms in sich selbst ein, dies kann getastet, bei der Spiegelung unter Pressmanöver beobachtet und in der Röntgen- oder MRT-Darstellung der Enddarmentleerung (Defäkographie) nachgewiesen werden. Dieser innere Prolaps kann die Behinderung der normalen Entleerung des Enddarms durch einen Ventilmechanismus zur Folge haben, der Patient hat das Gefühl der unvollständigen Entleerung. Andererseits kann die Einstülpung auch die Notwendigkeit einer Stuhlentleerung vortäuschen mit Druckgefühl im Darm und unwillkürlichen, kurzen Entspannungen des Schließmuskels und daraus resultierendem Stuhlschmieren. Ob der innere die Vorstufe zum äußeren Prolaps ist, ist nicht abschließend geklärt.

Die Rektozele bezeichnet eine Ausstülpung des Enddarms zur Scheide hin, eine häufige Veränderung, die nicht immer Probleme bereitet. Allerdings kommt es insbesondere bei großen Rektozelen dazu, daß sich Stuhl aus dieser Ausstülpung nicht von selbst entleeren kann. Die Behandlung von innerem Vorfall und Rektozele beginnt konservativ mit stuhlregulierenden Maßnahmen, kann aber auch operative Schritte nötig machen. Zahlreiche Operationsverfahren wurden entwickelt. Die neue Operation über den After ohne äußere Schnitte unter Einsatz von automatischen Klammernahtgeräten (STARR-Operation nach Longo) ist aus unserer Sicht ein schonendes, schmerzarmes Verfahren. Nach den bisherigen Erfahrungen kann damit in 60 - 80 % der Fälle ein sehr Schema-Starr postgutes oder gutes Ergebnis erzielt Schema Starr prewerden.Vorteil der Methode gegenüber bisherigen Operationstechniken, daß mit der Entfernung der muskulär ausgedünnten Rektumwand auch die Entleerungsfunktion verbessert und nicht nur Vorfall bzw. Rektocele als Symptome der Wandschwäche korrigiert werden.

All diesen anatomischen Veränderungen ist gemein, dass sie zu einer Entleerungsstörung des Enddarms, aber auch zu einer Stuhlhalteschwäche (Inkontinenz), führen können. Die Entleerungsstörung, auch als “outlet obstruction” oder “obstructed defecation” bezeichnet, zwingt zur Anwendung von Abführmitteln, Einläufen oder “Nachhelfen” mit dem Finger (Digitieren). Nicht selten verbringen die Betroffenen einen wesentlichen Teil des Tages auf der Toilette, ohne eine vollständige Entleerung zu erreichen. Die Inkontinenz besteht meist in Stuhlschmieren, kann aber auch in der vollständigen Unfähigkeit der Stuhlkontrolle enden.

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© 2017 Dr. med. Bernhard Hofer - Proktologische Praxis München
Bitte beachten Sie die Hinweise und Pflichtangaben nach §5 Telemediengesetz im Impressum. Letzte Aktualisierung 10.02.2017