Störungen des Kontinenzorgans

  • Stuhlbeschaffenheit (Konsistenz): Zu weicher oder gar flüssiger Stuhl kann auch mit einem kräftigen Schließmuskel nicht oder schlecht gehalten werden. Dies ist bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, beim Reizdarmsyndrom, nach Dickdarmoperationen, unter Chemotherapie und bei gestörter Darmflora der Fall. 
  • Reservoirfunktion des Enddarms: Wurde ein Teil des Enddarms entfernt, wie bei Tumorerkrankungen oder einem Enddarmvorfall, kann weniger Stuhl gespeichert werden, die Entleerung wird früher notwendig. Die Vorwarnzeit ist verkürzt. Die Therapiemöglichkeiten sind begrenzt, vorbeugend kann bei einer Darmteilentfernung ein neues Reservoir (Pouch) angelegt werden.
  • Sensibilität des Analkanals: Die Haut des Analkanals ist reich mit Nervenendigungen und Fühlern ausgestattet. Ist sie geschädigt, z.B. nach Operationen, nimmt sie den Kontakt mit der Stuhlsäule zu spät oder nicht wahr, der Stuhl geht unbemerkt ab. Dies ist auch der Fall, wenn sich die  Schleimhaut eines inneren Rektumvorfalls über die sensible Zone vorwölbt. Lokale Haut-Lappenplastiken ("House Advancement Flap") können sensibles Gewebe in den Analkanal verlagern, ein Schleimhaut- oder Vollwand-Vorfall kann durch Operationen mittel Klammernahtgerät durch den After oder über Bauchspiegelung beseitigt werden.
  • Schließmuskelfunktion:
    • Verletzungen und Verletzungsfolgen des Schließmuskels: Zu direkten Schäden am Schließmuskel kommt es am häufigsten im Verlauf vaginaler Geburten, weiterhin durch chirurgische Maßnahmen. Sie können den inneren und/oder äußeren Schließmuskel betreffen. Je nach dem Grad des Auseinanderweichens der Muskelstümpfe ist die Auswirkung auf die Funktion gering bis gravierend. 
    • Schädigung des Schließmuskelgewebes: Operationen und Bestrahlungen können zu einem narbigen Umbau des Muskels führen, so daß die Fähigkeit zum Zusammenziehen (Kontraktion) eingeschränkt wird. Hier sind die therapeutischen Möglichkeiten begrenzt.
    • Fehlkoordination, Verlust der nervalen Bahnung: Es ist möglich, den Gebrauch des Schließmuskels zu "verlernen". Nicht selten beobachtet man ein Anspannen der Gesäßmuskulatur statt des Schließmuskels, wenn ein Patient zum Kneifen aufgefordert wird. Eine gezielte Beckenboden-Gymnastik, auch mit Unterstützung durch ein Biofeedback und Elektrostimulation, kann hier eine Verbesserung bringen.
  • Feinabdichtung durch die hämorrhoidealen Schwellkörper: Die Hämorrhoiden können durch vermehrte Blutfüllung zur effektiven Feinabdichtung beitragen. Nach chirurgischer Entfernung ist diese Funktion eingeschränkt. Moderne Operationsverfahren beim Hämorrhoidal-Leiden erhalten daher das hämorrhoidale Gewebe.
  • Innervation: Die Nerven des Beckenbodens können durch Überdehnung (bei der Beckenbodensenkung) und Druck (beim Kompressions-Syndrom des N. pudendus) in ihrer Leitfähigkeit gemindert werden, es resultiert eine unterschiedlich stark ausgeprägte Lähmung des Beckenbodens. Nervenschäden treten auch bei Diabetes mellitus, Alkoholismus und Multipler Sklerose auf.
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© 2017 Dr. med. Bernhard Hofer - Proktologische Praxis München
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