PILONIDAL SINUS ZENTRUM

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Experten für die Behandlung der Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis)

Sinus Pilonidalis: Ursachen, Symptome, Vorbeugung,

Steissbeinfistel (Sinus Pilonidalis) - Definition und Häufigkeit

Die lateinische Bezeichnung „Haarnestgrübchen“ (von lateinisch pilus ‚Haar‘ und nidus ‚Nest‘) trifft es am besten. Unter einem Sinus pilonidalis versteht man eine Entzündung der Weichteile im Bereich der Pofalte. Ursache ist eine Ansammlung eingespießter oder eingewachsener Haare in einer abgekapselten Höhle. Mit dem Steißbeinknochen („Steißbeinfistel“) oder einer embryonalen Fehlbildung („Dermoidzyste, Sakraldermoid“) hat der Sinus pilonidalis nichts zu tun. Pro Jahr erkranken 48 von 100 000 Einwohnern neu an einer Steissbeinfistel (Stand 2012). 30 000 Patienten werden pro Jahr stationär im Krankenhaus operiert (Stand 2016).  

Schema einer Steißbeinfistel von der Seite gesehen

Entstehung eines Sinus pilonidalis als Fremdkörpergranulom

Der Sinus pilonidalis entsteht zu Beginn der Pubertät, wenn Dichte und Durchmesser der Haare zunehmen. Der erste Schritt der Fistelentstehung ist immer das Eindringen von Haaren oder Haarschuppen in das Unterhautgewebe. Der Körper kann den Baustoff des Haares, das Keratin, nicht abbauen und behandelt es daher als Fremdkörper durch Abkapselung in einer Schicht aus Narbengewebe. 

Woher kommen die eingedrungenen Haare? 

Bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts war man der Auffassung, dass es sich bei der Steißbeinfistel um eine angeborene Fehlbildung handelt. Ein solches Dermoid entsteht aus den Vorläuferzellen der Haut (medizinisch Ektoderm), die sich noch in Hautzellen und Hautanhangsgebilde wie Haarwurzeln umwandeln können. 

Gegen diese Theorie spricht: 

  • Eine angeborene Erkrankung müsste im Säuglingsalter am häufigsten diagnostiziert werden und nicht erst nach der Pubertät.
  • Nach einer sorgfältigen, chirurgischen Entfernung dürfte es nicht zum Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv) kommen.

Lord (1965) und Patey (1969) begründeten die heute allgemein akzeptierte Theorie des Sinus pilonidalis als einer erworbenen Erkrankung (siehe auch Leitlinie Pilonidalsinus). Drei Mechanismen kommen vor:

Entstehung eines Sinus Pilonidalis (Publikation von Peter H. Lord 1975)

Auch wenn die Haare normal gebildet werden, kann es zu einem Sinus pilonidalis kommen. Nämlich dann, wenn Haare abbrechen und sich in die Wand des Haarfollikels spießen. Der Follikel füllt sich mit abgebrochenen Haaren. Auch lose Haare von Rücken oder Kopf können durch die ständigen Bewegungen der Pobacken in die Gesäßfalte einmassiert werden. Die Oberflächenstruktur der Haare, ähnlich einem Pfeil mit Widerhaken, führt dazu, dass einmal eingespießte Haare im Gewebe stecken bleiben und auch nicht durch Waschen wieder entfernt werden können.

Die Haarwurzel füllt sich mit Haaren unter Erweiterung der Öffnung, im Bereich der Pofalte wird ein kleines Loch oder ein schwarzer Punkt sichtbar, der „pit“ oder „Porus“. Der Körper kann die eingelagerten Haare nicht abbauen und schließt sie in eine Schicht aus Narbengewebe, die Fistelkapsel, ein. Die in dieser Region reichlich vorhandenen Bakterien  der Haut- und Darmflora können eindringen und zu einer Entzündung führen.

Bei manchen Patienten findet man einen anderen Mechanismus der Erweiterung von Haarwurzeln zum „pit“:  Die Bildung der Haare aus dem Baustoff Keratin kann unkoordiniert ablaufen. Ein neu wachsendes Haar wird nicht richtig aus der Haarwurzel herausgeschoben. Das Baumaterial des Haares Keratin wird in Form von scholligen Ablagerungen in der Haarwurzel angehäuft. Der Haarfollikel erweitert sich und 

Schließlich findet man sehr selten in einem entfernten Fistelgang ein geordnetes Wachstum von zarten, kurzen Haaren. Dieses Phänomen ist noch nicht hinreichend wissenschaftlich untersucht, scheint aber keinen Einfluss auf die Heilungschancen zu haben.

Gibt es Risikofaktoren für die Entstehung einer Steißbeinfistel? 

  • Starke Behaarung: Die Mehrzahl der von einer Steißbeinfistel betroffenen Patienten weist eine überdurchschnittlich dichte und kräftige Behaarung auf.
  • Männliches Geschlecht: Männer sind von Steißbeinfisteln rund doppelt so häufig betroffen wie Frauen.
  • Familienanamnese: Auch wenn eindeutige Belege einer Vererbung fehlen, scheinen Angehörige von Steißbeinfistel Patienten ein etwas höheres Risiko zu haben, selbst an einem Sinus pilonidalis zu erkranken.
  • Sitzende Tätigkeit: Wer hat die nicht? Einen Großteil unseres Lebens verbringen wir im Sitzen, in der Schule und Universität, im Büro oder im Auto. Statistiken der Streitkräfte zeigen dennoch, daß Kraftfahrer und Soldaten niederen Ranges ein deutlich höheres Risiko für die Entwicklung einer Steißbeinfistel haben als Offiziere.
  • Mangelnde Hygiene: Man bekommt eine Steißbeinfistel nicht allein, weil man sich zu wenig wäscht. In Studien ließ sich aber zeigen, dass das Risiko der Entwicklung einer Steißbeinfistel erheblich ansteigt, wenn man seltener als dreimal pro Woche duscht oder badet.
  • Übergewicht? Die Datenlage hierzu ist nicht eindeutig, manche Studien fanden ein Übergewicht gemessen am BMI > 25 häufiger bei Patienten mit Steißbeinfistel als in der Kontrollgruppe (entspricht z.B. einem Körpergewicht über 90 kg bei einem 185 cm großen, 20 Jahre alten Mann).
  • Rauchen: Die klassische Steißbeinfistel ist nicht häufiger bei Rauchern als bei Nichtrauchern. Mischformen mit der Akne inversa findet sich aber praktisch nur bei Rauchern, sind gekennzeichnet durch komplizierte Fistelverläufe und häufigere Rückfälle nach Operationen.

Dagegen scheinen das Schwitzen, die bevorzugte Art der Unterwäsche und berufliche Staubexposition keine Bedeutung für die Entwicklung eines Sinus pilonidalis oder die Erfolgschancen der Behandlung zu haben.

Symptome und Verlaufsformen

Doch woran erkennt man eine Steißbeinfistel genau? Grundsätzlich gibt es drei Stadien der Entzündung, die mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen:

Blande Form: Die Entwicklung einer Steißbeinfistel merkt man anfangs nicht oder die Beschwerden sind gering und unspezifisch (Schmerzen beim Sitzen auf harten Stühlen, Gefühl wie bei einem „Pickel“ oder einer Prellung). Manchmal treten außer einer sichtbaren Öffnung im Bereich der Gesäßfalte keinerlei Beschwerden auf.

Akute Form: Ein Pilonidalabszess kann sich innerhalb weniger Tage entwickeln, die zugrundeliegende Steißbeinfistel existierte unbemerkt schon vorher. Die typische Ausprägung mit einer geröteten, schmerzhaften Beule am Po bzw. in der Steißbeinregion erkennt man auf einen Blick. Die äußerlich sichtbaren Symptome können gering sein. Der Patient hat starke Schmerzen, obwohl man nicht viel sieht. Bei genauer Betrachtung ist eine Verhärtung zu tasten und die Haut wirkt auffällig. Die Pits sind schwellungsbeding oft nicht zu sehen. Manchmal berichten die Patienten über einen vorangegangenen Sturz auf das Steißbein. Ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht zu erklären. Nicht selten treten Beschwerden nach längerem Sitzen auf, wie bei Schülern und Büroangestellten oder nach langen Flugreisen.

Chronische Form: Manche Patienten haben nur leichte Schmerzen und bemerken das Vorhandensein der Fistel nur zufällig oder aufgrund der Absonderung von Blut oder Eiter. Die Besiedelung der Pilonidalfistel durch die in dieser Region immer vorhandenen Bakterien kann eine sehr unangenehme Geruchsentwicklung verursachen. Die Kapsel enthält oft viele Kollagenfasern und fühlt sich hart an wie Knorpel, so dass Irritationen beim längeren Sitzen ohne eigentliche Schmerzen auftreten. Manchmal entdecken die Patienten auch selbst kleine Öffnungen im Bereich der Gesäßfalte.

Ganz egal, welche Symptome Sie bemerken: Gehen Sie zum Arzt! Je früher eine Steißbeinfistel erkannt wird, desto einfacher und besser kann sie behandelt werden. In unserer auf die Behandlung der Steißbeinfistel spezialisierten Praxis sind wir gerne für Sie da, wenn sie weitere Fragen zum Sinus pilonidalis haben.

Kann man einer Steißbeinfistel vorbeugen?

Aus den genannten Risikofaktoren lassen sich einige Ratschläge ableiten, wie man vielleicht verhindern kann, dass es überhaupt zu einer Steißbeinfistel kommt. Achten Sie darauf, öfter aufzustehen, wenn Sie lange Sitzen müssen und bevorzugen Sie gut gepolsterte Stühle. Manche Arbeitgeber stellen mittlerweile auf Antrag verstellbare Schreibtische zur Verfügung, so daß man einen Teil seiner täglichen Arbeitszeit im Stehen verbringen kann. Das ist übrigens auch gesund für Kreislauf und Stoffwechsel.

Sollten Sie zu starkem Haarwuchs neigen oder Familienmitglieder von einem Sinus pilonidalis betroffen sein, kann eine vorsorgliche Haarentfernung mit Laser im Steißbeinbereich sinnvoll sein. Da ein Sinus pilonidalis meist durch eingewachsene Haare entsteht, ist eine dauerhafte Haarentfernung im Steißbeinbereich das beste Mittel, um der Erkrankung vorzubeugen. Mit einem modernen Dioden-Laser können die Haare schmerzarm, schnell und langanhaltend beseitigt werden.

Empfehlenswert ist es weiterhin, einmal täglich zu duschen und dabei auch die Gesäßfalte gezielt auszuspülen. Damit lassen sich lose Haare und Textilpartikel beseitigen, bevor sie zu Problemen führen können.

Insbesondere, wenn Sie als Raucher schon von Fisteln (Steißbeinregion, Beugefalte der Leisten, Achselhöhle) betroffen sind, sollten Sie unbedingt das Rauchen aufgeben. Gerne beraten wir Sie, wie man die typischen Fehler der Raucherentwöhnung vermeiden kann.

Jetzt wissen Sie alles über Ihre Steißbeinfistel?

Gehen Sie jetzt den ersten Schritt, sie wieder loszuwerden und vereinbaren einen Termin zur unverbindlichen Beratung durch unsere Experten Dr. Hofer, Dr. Bärtl und Dr. Schuster.

DR. BERNHARD HOFER

FACHARZT FÜR CHIRURGIE, VISZERALCHIRURGIE, PROKTOLOGIE​

Angestellte Ärzte:
Dr. Klaus Bärtl, Facharzt für Viszeralchirurgie
Dr. Susanne Schuster, Fachärztin für Chirurgie
Kompetenzzentrum für Proktologie (BCD)
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