Hämorrhoiden Behandlung

Wann sollten sie zum Arzt gehen?

Hämorrhoiden: Wie behandeln, wann ist eine OP nötig?

Die American Society of Colon and Rectal Surgeons (ASCRS) berichtet, dass über 2/3 der Bevölkerung irgendwann in ihrem Leben an Hämorrhoiden leiden werden. Die Symptome können zu ernsthaften Beeinträchtigungen von Konzentration und Selbstsicherheit im Beruf, zu Einschränkungen beim Sport und zu einem unsicheren Körpergefühl im Alltag führen.

Die gute Nachricht ist, dass Hämorrhoiden erfolgreich behandelt werden können. Wir helfen Ihnen, eine gute Entscheidung darüber zu treffen, ob eine Operation sinnvoll und notwendig ist oder nicht. Dabei gehen wir ein auf 

  • die Bestätigung der Diagnose
  • bewährte konservative Behandlungen
  • innovative Operationstechniken mit Ultraschall und Laser
  • eine individuell auf Ihre Bedürfnisse angepasste Strategie der Behandlung

Und welches ist die optimale Behandlung? Die Entscheidung fällen wir individuell für jeden Patienten. Die wichtigsten Kriterien sind das Stadium der Hämorrhoiden (Stadien I – IV, je nach Vorliegen und Schweregrad eines äußeren Vorfalls), dem führenden Symptom (Blutung, Druckgefühl, Nässen) und das Ausmaß Ihrer subjektiven Beeinträchtigung. Ein wichtiger Punkt ist auch, ob und wie lange konservative Behandlungsmaßnahmen in der Vergangenheit geholfen haben und ob der Verdacht auf eine bösartige Veränderung von Haut oder Schleimhaut besteht.

Was kann ich selbst tun?

Zur Vorbeugung und im Frühstadium: 10 einfache Tips

  • Verbessern Sie die Stuhlbeschaffenheit (Stuhlkonsistenz): Das Ziel ist ein geformter, nicht zu harter Stuhl. Insbesondere bei schmerzhaften Zuständen versuchen Patienten häufig, den Stuhl ganz weich zu halten. Zu weicher Stuhl hat aber eine längere Kontaktzeit mit der Haut, dringt in jede winzige Wunde oder Schleimhautnische ein und führt so zu Entzündungen. Weicher Stuhl ist schwerer zu kontrollieren (Stuhlschmieren) und übt einen geringeren Entleerungsreiz aus (mit der möglichen Folge der Entleerungsstörung).  Bewährte Maßnahmen sind
    • die Nahrungsergänzung durch Quell – und Ballaststoffe (Flohsamenschalen, Heilerde, Absorbentien)
    • Probiotika (Bakterienkulturen zur Stabilisierung des Mikrobioms des Darms)
    • eine ausreichende Trinkmenge
    • der Ausschluss von Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Lactose, Fructose, Gluten, Histamin) durch Ernährungstagebuch und/oder Untersuchung beim Gastroenterologen
  • Optimieren Sie Ihre Stuhlgewohnheiten
    • Gehen Sie auf die Toilette, wenn Sie müssen und nicht wenn Sie wollen. Nehmen Sie sich Zeit, Zeitdruck und Streß aktivieren das sympathische Nervensystem, welches die Darmtätigkeit vermindert.
    • Vermeiden Sie extremes Pressen auf der Toilette, eine leichte Aktivierung der Bauchpresse zu Beginn ist erlaubt.
    • Nutzen Sie physiologische Reflexe wie den gastrocolischen Reflex. Einfach ausgedrückt, führt eine Füllung des Magens zu einem Entleerungsreiz im Enddarm. Am Morgen nach dem Aufstehen ein großes Glas Flüssigkeit trinken, erleichtert das „Geschäft“, bevor man sich in den Berufsverkehr stürzt.
    • Kompensieren Sie die Konstruktion nordeuropäischer Toiletten, die bequemes Sitzen fördern, die Stuhlentleerung durch einen ungünstigen anorektalen Winkel eher erschweren. Seit dem Bestseller „Darm mit Charme“  wissen wir, dass ein Hocker unter den Füßen die natürliche Position unterstützt.
    • Lesen Sie die Zeitung am Frühstückstisch oder in der U-Bahn, nicht auf dem stillen Örtchen. Längere „Toilettensitzungen“ erhöhen den Druck im Hämorrhoidenkreislauf und sollten daher vermieden werden.
  • Nutzen Sie angefeuchtete Wattepads (im Drogeriemarkt erhältlich) statt feuchtem Toilettenpapier (kann Allergien auslösen), verwenden Sie natürliche Pflege (Ringelblumensalbe, Zinksalbe, Bäder mit Eichenrindenextrakt).

Wie behandelt der Proktologe?

Bewährt: Verödung und Gummibandligatur

Diese Behandlung ohne Operation hat das Ziel einer Straffung und Stabilisierung des Bindegewebes. Bei der sogenannten Verödung (Sklerosierung) wird in den Bereich der zu den Hämorrhoiden führenden Gefäße oder in die Hämorrhoiden selbst ein Medikament (Äthoxysklerol®) eingespritzt, das sie schrumpfen lässt und die Verankerung auf der Muskelschicht des Enddarms stärkt. Diese Maßnahme kann ganz einfach ambulant durchgeführt werden, ist schmerzfrei und wird daher sehr häufig angewendet. Sie muss in der Regel mehrfach im Abstand von einigen Wochen erfolgen. Bis die Beschwerden ganz verschwunden sind,  können einige Monate bis hin zu einigen Jahren vergehen. Komplikationen sind extrem selten.

Bei der Gummibandligatur wird überschüssige Schleimhaut mit einem Gummiring abgeschnürt, das Gewebe stößt sich nach ein bis zwei Wochen von selbst ab. Dadurch werden die Hämorrhoiden verkleinert und durch Vernarbung wieder an der natürlichen Position fixiert. Diese Maßnahme darf ebenfalls keine Schmerzen verursachen, sonst muss eine andere Behandlungsmethode gewählt werden.

Blutungen oder Nachblutungen sind Risiken, insbesondere, wenn Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen. Das abgebundene Gewebe kann bis zur Abstoßung als unangenehm empfunden werden, sodass es sich empfiehlt, in einer Behandlungssitzung nicht mehr als ein bis zwei Bänder zu setzen.

Bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) sowie mit geschwächtem Immunsystem oder bei einer Latex-Allergie ist eine Ligaturbehandung nicht die beste Behandlungsoption.

Innovativ: Nichtinvasive Verödung mit dem LASER

Ein neuer Ansatz der Hämorrhoidenbehandlung ist die Anwendung von  Laserenergie mittlerer Energie, die zu einer Stärkung des Bindegewebes und Schrumpfung der Hämorrhoiden führt, aber unter der Schmerzschwelle bleibt. Die praktische Durchführung ist vergleichbar mit der Verödung. Wir führen diese Behandlung über eine Proktoskopie mit einem lokalanästhetischen Gel ambulant durch, eine Narkose wird nicht benötigt. Unsere Erfahrungen mit dieser Technik sind sehr gut, insbesondere hartnäckige Blutungen sprechen auf diese Behandlung oft gut an.

Welche Methode ist die beste?

Hämorhoiden Operation: Wann operieren, wie operieren?

Wenn bei Hämorrhoidenbeschwerden die konservative Behandlung keinen ausreichenden Therapieerfolg bringt, oder wenn von vornherein starke Beschwerden bestehen, muss aus den zur Verfügung stehenden Verfahren der Hämorrhoiden-OP die für den Einzelfall beste Methode gewählt werden.

Die herkömmlichen Methoden zur Beseitigung der vergrößerten Hämorrhoiden wie die offene Hämorrhoidektomie nach der Milligan-Morgan-Methode sind bewährt, aber mit großen Wunden,  damit langwieriger Nachbehandlung und nicht immer optimalen funktionellen Ergebnissen verbunden. Für Hämorrhoiden im vierten Stadium bleibt in seltenen Fällen manchmal keine andere Wahl.

Bis zum dritten Stadium haben sich eine Reihe von Verfahren etabliert, bei denen die vergrößerten Gefäßpolster nicht durch operative Abtragung, sondern durch innere Fixation und Verödung der Hämorrhoiden durch Laser oder Radiofrequenz Energie behandelt werden.

Bei der Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur nach Morinaga werden die zuführenden Arterien der Haemorrhoiden unter Ultraschallkontrolle unterbunden. Diese Naht lässt sich als spiralförmige Raffnaht (rekto-anale-Rekonstruktion) fortführen, die Kombination der beiden Verfahren nennt man abgekürzt HAL-RAR oder auch Transanale Hämorrhoiden Dearterialisation (THD).

Eine weitere elegante Methode, Hämorrhoiden dritten Grades auf das normale Maß zu verkleinern, ist die Verödung mit Laser (LASER-Hämorrhoidoplastie – LHP) oder Radiofrequenz Energie (RAFAELO-Methode). Dabei werden die Energie applizierenden Sonden über wenige mm große Zugänge am Analrand in das Zentrum der Hämorrhoide eingeführt und die erweiterten Gefäße durch Hitze geschrumpft. In einigen Zentren wird für die ambulante Radiofrequenztherapie sogar nur lokale Betäubung verwendet.

Bei der Longo-Operation wird ein zirkulärer Streifen Schleimhaut an der Basis des Hämorrhoiden-Kranzes entfernt unter gleichzeitigen Verbinden der Schnittränder mit einer ringförmigen Klammernaht. Dadurch wird sowohl der Blutzufluss zu den Hämorrhoiden gedrosselt, als auch der Vorfall (Prolaps) zurückgeführt (daher auch die Bezeichnung Stapler – Hämorrhoidopexie, „Befestigung“). Die Klammern heilen in die Narbe ein oder werden nach und nach abgestoßen. Das Verfahren ist durch eine kurze Operationszeit sowie schmerzarmer Nachbehandlung weit verbreitet.

Wir verwenden dieses Verfahren nach hunderten erfolgreich durchgeführten Hämorrhoidenoperationen dennoch nicht mehr, nachdem in Publikationen über seltene, aber schwerwiegende Zwischenfälle (Aufreißen der Klammernaht, Unverträglichkeit der Klammern) berichtet wurde.

Und zum Schluß wieder die Evidenz zum Nachlesen

Literaturverzeichnis: Hämorrhoiden Behandlung und Operation

  1. Davis, B. R., Lee-Kong, S. A., Migaly, J., Feingold, D. L., & Steele, S. R. (2018). The American Society of Colon and Rectal Surgeons Clinical Practice Guidelines for the Management of Hemorrhoids. Diseases of the colon and rectum, 61(3), 284–292.
  2. Muldoon R. (2020). Review of American Society of Colon and Rectal Surgeons Clinical Practice Guidelines for the Management of Hemorrhoids. JAMA surgery, 155(8), 773–774.
  3. Trompetto, M., Clerico, G., Cocorullo, G. F., Giordano, P., Marino, F., Martellucci, J., Milito, G., Mistrangelo, M., & Ratto, C. (2015). Evaluation and management of hemorrhoids: Italian society of colorectal surgery (SICCR) consensus statement. Techniques in coloproctology, 19(10), 567–575.

DR. BERNHARD HOFER & KOLLEGEN

Fachärzte für Chirurgie, Proktologie

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