Volkskrankheit Hämorrhoiden: Ursachen, Beschwerden, Behandlung

Sprechen Sie mit uns über das Tabuthema Hämorrhoiden!

Die meisten Menschen denken bei dem Begriff Hämorrhoiden gleich an Blutungen, Schmerzen oder eine Schwellung am Enddarm. Der Proktologe versteht unter Hämorrhoiden (griech. = Blutfluss) Schwellkörper, die auf Höhe des Schließmuskels ringförmig im Analkanal angeordnet sind.

Sie enthalten zartwandige Blutgefäße (Sinusoide), die aus der Schlagader des Enddarms (Arteria rectalis)  mit Blut versorgt werden. Der Füllungszustand der Hämorrhoiden wird vegetativ gesteuert, gefüllt dichten sie den Enddarm ab (vor allem gegenüber Flüssigkeit und Darmgasen) oder lassen im entleerten Zustand eine Stuhlentleerung zu. Die Hämorrhoiden entstehen in der Pubertät und sind mit Kollagenfasern und Muskelfasern in der muskulären Darmwand verankert. Das Vorhandensein von Hämorrhoiden ist also der Normalzustand und keine Krankheit.

Ursachen Hämorrhoiden: Wenn sie sich krankhaft vergrößern

Hämorrhoiden werden dann zum Problem, wenn sie dauerhaft vergrößert bleiben oder durch eine Bindegewebsschwäche nach außen fallen (Hämorrhoiden-Prolaps). Auslöser von Hämorrhoiden-Beschwerden können eine ballaststoffarme Ernährung oder ein zu starkes oder langes Pressen beim Toilettengang sein. Eine gewisse, familäre Veranlagung ist möglich. Auch Schwangerschaft und Übergewicht können das Risiko für ein Hämorrhoidal-Leiden erhöhen. Ein Zusammenhang von vergrößerten Hämorrhoiden mit dem Lebensalter, mangelnder Hygiene oder Analsex besteht nicht.

Schemata Hämorrhoiden II. Grad | Proktologische Praxis München

Schema des Analkanals mit Hämorrhoide an anatomischer Position und von normaler Größe (linke Bildhälfte), mit deutlicher Vergrößerung und Vorfall (rechte Bildhälfte). (c) Dr. Bernhard Hofer

Hämorrhoidal-Leiden: Darüber klagen Hämorrhoiden – Patienten

  • Juckreiz (Pruritus ani)

    Warum kommt es zu Juckreiz bei vergrößerten Hämorrhoiden? Die Hämorrhoiden befinden sich in der Übergangszone von Schleimhaut (die ihren Namen von der stetigen Schleimproduktion hat) zur normalerweise trockenen, äußeren Haut. Damin können bei einer Verlagerung der Hämorrhoiden nach unten / außen Schleim und Feuchtigkeit auf die Haut gelangen und zu Hautreizungen (irritatives Analekzem) führen. Nicht selten verselbstständigt sich dieser Prozess, da die leicht geschädigte Haut ihre Barrierefunktion verliert und damit noch anfälliger für Irritationen durch Darmbakterien und Verdauungsenzyme im Stuhl wird. Bei manchen Hautkrankheiten (Schuppenflechte, Neurodermitis) findet man aus diesem Grund auch einen isolierten Befall der Haut im Bereich des Anus.

  • Blut im Stuhl, Blut am Toilettenpapier

    Blut im Stuhl gilt als Alarmsymptom für Darmkrebs und führt daher nicht selten zur Verunsicherung. Die überwiegendeMehrzahl aller Blutungen hat aber gutartige Ursachen. Die Blutungscharakteristik gibt etwas Aufschluss über die wahrscheinliche Ursache: leichte Blutspuren am Toilettenpapier sind häufig Zeichen eines schweren Ekzems oder auch von vergrößerten Hämorrhoiden, auch eine Analfistel oder Steißbeinfistel kann solche Blutspuren bedingen. Tropfende Blutungen sind typisch für die Analfissur. Blutbeimengungen zum Stuhl oder geronnenes Blut ist verdächtig auf eine Blutungsquelle im Dickdarm. Der Proktologe wird daher zunächst den Enddarm untersuchen und eine sichtbare Blutungsquelle behandeln. Zur Sicherheit wird er in der Regel eine Darmspiegelung (Koloskopie) veranlassen, um alle Zweifel der Ursache der Blutungen auszuräumen.

  • Hervortreten von Hämorrhoiden, Schwellungen (Prolaps)

    Die Verminderung oder der Verlust der  Stabilität des Bindegewebes kann dazu führen, dass ein Hämorrhoidenknoten gegenüber der muskulären Unterlage (Schließmuskel, Muskulatur der Darmwand) beweglich wird und beim Toilettengang oder auch sogar ohne Anlass aus dem Enddarm nach außen hervortritt. Wenn ein solcher Vorfall (Hämorrhoiden Prolaps) von selbst wieder  zurückgeht, spricht man vom Stadium II, wenn man ihn zurück schieben muss, vom Stadium III des Hämorrhoidalleidens. Das Hervortreten der Hämorrhoide führt zur Störung der Feinabdichtung (Nachschmieren, Wäscheverschmutzung) und Feuchtigkeit um den Anus. Dies kann wiederum zu Hautreizungen (irritatives Analekzem) mit Juckreiz und Wundsein führen.

  • Störung der Feinkontinenz, Stuhlschmieren, Feuchtigkeit

    Die Hämorrhoiden sind eigentlich ein nützlicher Bestandteil des sogenannten Kontinenzorgans und sorgen im Zusammenspiel mit dem Schließmuskel für die Feinabdichtung. Bei einer Vergrößerung oder Verlagerung der Hämorrhoiden kann diese Feinkontinenz leiden. Die Patienten klagen dann über Absonderung von Feuchtigkeit oder Stuhlschmieren. Mit einer echten Schließmuskelschwäche hat dieses Symptom meist nichts zu tun. Oft hilft schon die Optimierung der Stuhlzusammensetzung (Aufbau der Darmflora, pflanzliche Quellstoffe), um wieder eine normale Funktion herzustellen. Die Hämorrhoidenbehandlung kann sich dann auf eine Stabilisierung des Bindegewebes durch Verödung beschränken.

  • Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung, Druckgefühl im Enddarm

    Die sensiblen Rezeptoren des Enddarms  können nicht immer unterscheiden, ob der Darm gefüllt ist oder ob lediglich vergrößerte Hämorrhoiden ein Druckgefühl verursachen. Die Patienten suchen dann oft wiederholt die Toilette auf und versuchen, durch verstärktes Pressen eine Entleerung herbeizuführen. In dieser Situation ist das verständlicherweise kontraproduktiv, da durch die Druckerhöhung die Hämorrhoiden weiter anschwellen und nach unten gedrückt werden, sodass sich die Missempfindungen sogar noch verstärken. Dieses Symptom kann oft sehr effektiv mit einfachen Mitteln behandelt werden.

Hämorrhoidal-Leiden: Vier Stadien

Die allgemein anerkannte Einteilung des Schweregrads bei Hämorrhoiden bezieht sich auf die Größe, das äußere Hervortreten der Hämorrhoiden (Prolaps) und die Notwendigkeit, die Hämorrhoiden dann wieder von Hand zurückzuschieben. ​Je nach Füllungszustand mit Blut sind die Hämorrhoiden nicht immer gleich groß, eine Norm für die Größe gibt es nicht. Ein Prolaps tritt nicht immer zwingend auf, der Grad der subjektiven Beeinträchtigung unterscheidet sich von Patient zu Patient.

  • Stadium I: Vergrößerung, kein Vorfall. Hellrote Blutung, Druckgefühl
  • Stadium II: Vorfall (Prolaps) beim Pressen, spontane Rückbildung, Reizung der Haut um den After (irritatives Analekzem), Juckreiz
  • Stadium III: Vorfall, Zurückschieben möglich, Stuhlschmieren
  • Stadium IV: Vorfall, Zurückschieben nicht mehr möglich, Schmerzen, Stuhlhalteschwäche (Inkontinenz)

Hämorrhoiden-Behandlung: Stufenplan

In den Stadien 1 und 2 und bei moderaten Beschwerden ist die Behandlung konservativ durch Stuhlregulation, manchmal auch nur Anleitung zu verändertem Stuhlverhalten (Vermeiden von stärkerem festen oder längeren „Toilettensitzungen“) und mit bindegewebestabilisierenden Maßnahmen wie der Verödung (klassische Injektionsbehandlung oder nonablative Laserbehandlung). Zu einer Operation werden wir Ihnen nur raten, wenn die Hämorrhoiden weit aus dem Anus hervortreten und nicht mehr in ihre normale Position zurückgeschoben werden können (Stadium vier) oder wenn häufige Blutungen oder Schmerzen auftreten. Unsere Strategie bei der Hämorrhoidenooperation entspricht einem Stufenplan, der innerhalb eines Eingriffs erfolgt:

  1. Beurteilung jeder Hämorrhoide
  2. Innere Raffung mit der HAL-RAR-Naht
  3. Wenn die Beurteilung nach Anlegen der HAL-RAR-Nähte schon ein sehr gutes Ergebnis erwarten läßt, ist die Operation damit beendet. Sind die Hämorrhoiden immer noch sehr voluminös oder neigen zur Blutung, erfolgt die Laser-Hämorrhoidoplastie, bei unzureichender Rückführung kann schließlich Ausschneiden mit Laser-Hämorrhoidektomie

Unsere Fachärzte Dr. Hofer, Herr Bärtl und Frau Dr. Schuster sind für Sie da, wenn Sie von einem Hämorrhoidal-Leiden betroffen sind. Rufen Sie uns an und vereinbaren Sie einen Termin. Wir kümmern uns um Sie.

DR. BERNHARD HOFER

FACHARZT FÜR CHIRURGIE, VISZERALCHIRURGIE, PROKTOLOGIE​

Angestellte Ärzte:
Dr. Klaus Bärtl, Facharzt für Viszeralchirurgie
Dr. Susanne Schuster, Fachärztin für Chirurgie
Kompetenzzentrum für Proktologie (BCD)
Brienner Straße 13
80333 München, Germany
Sprechzeiten: Montag – Freitag 8 – 13 und 14 – 18 Uhr
Fon 089 – 292679
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